Wir haben den Tag der Nachbarschaft gefeiert.
Begegnungen, Pizza und die Frage: Wie wollen wir zusammenleben?
Am 29. Mai wurde deutschlandweit der Tag der Nachbarschaft gefeiert – ein Tag, der daran erinnert, wie wichtig Orte und Gelegenheiten sind, an denen Menschen miteinander ins Gespräch kommen können. Denn gerade in digitalen Zeiten, in denen vieles online stattfindet, wird echte Begegnung immer wertvoller. Besonders in Städten leben viele Menschen Tür an Tür und bleiben trotzdem anonym füreinander. Gleichzeitig erleben wir gesellschaftliche Krisen, Konflikte und zunehmende Einsamkeit. Umso wichtiger werden Nachbarschaften, in denen man sich kennt, unterstützt und gemeinsam den Alltag gestaltet.
Die blau:pause möchte genau so ein Ort sein: ein Begegnungsort mitten im Quartier. Ein Ort, an dem Menschen sich begegnen können – ungezwungen, offen und ohne große Hürden. Deshalb haben wir am Tag der Nachbarschaft ab 15 Uhr zu verschiedenen interaktiven Formaten eingeladen, um Menschen aus der Nachbarschaft zusammenzubringen und miteinander ins Gespräch zu kommen.
Orte, Ideen und Geschichten aus der Nachbarschaft
Schon beim Reinkommen gab es einiges zu entdecken. Ein besonderes Highlight hängt immer noch neben dem Fahrstuhl von Flensburg: unsere große Nachbarschaftskarte. Dort konnten Besucher:innen mit kleinen Fahnen markieren: Wo gibt es den besten Schnack? Wo halte ich mich besonders gerne auf? Wo wünsche ich mir Veränderung? Entstanden ist eine ganz persönliche Karte der Nachbarschaft – voller Lieblingsorte, Ideen und Geschichten.
Ebenfalls geblieben ist das „blaue Brett“ – unsere Version eines schwarzen Bretts. Hier konnten Menschen Karten schreiben mit Fragen, Angeboten oder Informationen: „Das suche ich“, „Das biete ich“ oder „Diese Info möchte ich teilen“. Denn Nachbarschaft bedeutet auch, sich gegenseitig zu helfen, Dinge auszuleihen oder Wissen miteinander zu teilen. Das „blaue Brett“ darf deshalb gerne weiter befüllt werden.
Passend dazu entstand gemeinsam mit dem Leila die Idee eines kleinen Tauschmarkts. Von Fahrradkörben über Teekannen bis hin zu Weinregalen und Weckern war alles dabei. Dinge wechselten ihre Besitzer:innen – und oft entstanden dabei direkt kleine Gespräche.
Kreativ werden und miteinander ins Gespräch kommen
Ein weiterer kreativer Programmpunkt war die Leinwand „Gesichter aus der Nachbarschaft“. Hier konnten Besucher:innen Gesichter malen, die nun in der kleinen:pause zu sehen sind. So ist ein buntes Bild der Menschen entstanden, die unsere Nachbarschaft ausmachen.
Auch unsere neue Veranstaltungsreihe „Wenn Einsamkeit laut wird“ hat sich mit einer ersten Mitmach-Aktion vorgestellt. Im Flur vor dem Coworking können weiterhin Karten ausgefüllt werden: Was interessiert euch rund um das Thema Einsamkeit? Welche Fragen oder Ideen habt ihr? Die gesammelten Gedanken fließen in die weitere Planung der Reihe ein.
In der bewegung:pause gab es außerdem ein Speed-Dating-Format mit verschiedenen Sitzinseln und Gesprächsfragen. Menschen, die sich vorher nicht kannten, kamen miteinander ins Gespräch – manchmal über große Themen, manchmal einfach über den Alltag.
Und natürlich konnten auch Postkarten geschrieben werden. Besonders schön war für uns zu hören, dass tatsächlich zwei Menschen im Nachhinein über diese Postkarten mit ihren Nachbar:innen ins Gespräch gekommen sind. Sie haben sich später sogar in den gemeinsamen Garten gesetzt und einfach miteinander geplaudert. Genau solche kleinen Begegnungen machen Nachbarschaft lebendig.
Und da freitags immer kreativ:treff mit Lena ist - wurde natürlich auch hier fleißig gehäkelt :).
Vortrag, Pizza und neue Perspektiven auf Wohnen
Foto: Doro Gross
Das gute Wetter hat es uns an dem Tag zwar etwas schwer gemacht – viele Menschen zog es verständlicherweise nach draußen – trotzdem durften wir einige Besucher:innen begrüßen. Besonders gut besucht war der Vortrag von Dr. Jonas Lage von der Europa-Universität Flensburg mit dem Titel: „Jenseits von bauen, bauen, bauen: Wohnraum bedarfsgerecht verteilen“
Wohnraummangel gilt oft als eines der größten Probleme unserer Zeit – Neubau als scheinbar einzige Lösung. Gleichzeitig wächst die Wohnfläche pro Person aber immer weiter. Jonas Lage beleuchtete genau dieses Paradox und zeigte Wege auf, wie Wohnraum gerechter genutzt werden könnte, ohne immer weiter neu zu bauen.
Besonders spannend war dabei ein Beispiel aus der Schweiz: Viele Wohnbaugenossenschaften arbeiten dort mit Belegungsregeln wie „eine Person = ein Zimmer +1“. Dadurch soll Wohnraum bedarfsgerechter verteilt werden. Auch spannende Zahlen hat Jonas mitgebracht. In Deutschland gibt es mehr Einfamilienhäuser als Familien. Im Vortrag wurde deutlich, dass die Wohnungsfrage nicht nur eine Frage von Neubau ist, sondern auch davon, wie bestehender Wohnraum genutzt und verteilt wird. Gerade große Häuser werden nach dem Auszug von Kindern oft nur noch von wenigen Personen bewohnt.
Die Pizza kam an diesem Abend zwar etwas später als geplant – und zwar genau zum Vortrag. Eigentlich nicht ideal. Aber wie sich herausstellte, war „Vortrag mit Pizza“ am Ende doch ein ziemlich gutes Format.
Foto: Doro Gross
„Ey, eigentlich voll der coole Ort, oder?“
Über vier Jugendliche haben wir uns besonders gefreut. Alle waren vorher noch nie bei uns i gewesen und wurden von der kostenlosen Pizza angelockt - fair finden wir. Anfangs war ihnen noch etwas langweilig. Doch etwa eine Stunde später saßen sie gemeinsam in der kleinen:pause, spielten Karten und irgendwann hörte man:
„Ey, eigentlich voll der coole Ort, oder?“
Genau darum geht es. Räume zu schaffen, in denen Menschen bleiben möchten. Orte, an denen Begegnungen zufällig entstehen dürfen. Orte, die Nachbarschaft möglich machen.
Danke an alle, die da waren, mitgemacht, diskutiert, gemalt, geschrieben, getauscht oder einfach Zeit miteinander verbracht haben.
Wir freuen uns auf viele weitere Begegnungen in der blau:pause.

